Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · Лицензия: Gemeinfrei · Источник
- Wer immer schenkt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austheilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austheilen. ¶1208
- Oh diess ist die Feindschaft des Lichts gegen Leuchtendes, erbarmungslos wandelt es seine Bahnen. ¶1212
- Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen: kalt gegen Sonnen, - also wandelt jede Sonne. ¶1213
- Ach, Eis ist um mich, meine Hand verbrennt sich an Eisigem! Ach, Durst ist in mir, der schmachtet nach eurem Durste! ¶1216
- Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen, - nach Rede verlangt mich. ¶1218
- Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen. ¶1219
- Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden. - ¶1220
- Wahrlich, am hellen Tage schlief er mir ein, der Tagedieb! Haschte er wohl zu viel nach Schmetterlingen? ¶1228
- Und als ich unter vier Augen mit meiner wilden Weisheit redete, sagte sie mir zornig: "Du willst, du begehrst, du liebst, darum allein _lobst_ du das Leben!" ¶1240
- Dass ich aber der Weisheit gut bin und oft zu gut: das macht, sie erinnert mich gar sehr an das Leben! ¶1243
- Und als mich einmal das Leben fragte: Wer ist denn das, die Weisheit? - da sagte ich eifrig: "Ach ja! die Weisheit! ¶1245
- Als ich diess zu dem Leben sagte, da lachte es boshaft und machte die Augen zu. "Von wem redest du doch? sagte sie, wohl von mir? ¶1250
- Ein Unbekanntes ist um mich und blickt nachdenklich. Was! Du lebst noch, Zarathustra? ¶1255
- Ach, meine Freunde, der Abend ist es, der so aus mir fragt. Vergebt mir meine Traurigkeit! ¶1257
- Abend ward es: vergebt mir, dass es Abend ward!" ¶1258
- Aber diess Wort will ich zu meinen Feinden reden: was ist alles Menschen-Morden gegen Das, was ihr mir thatet! ¶1273
- Als Blinder gieng ich einst selige Wege: da warft ihr Unflath auf den Weg des Blinden: und nun ekelte ihn des alten Blinden-Fusssteigs. ¶1283
- Wille zur Denkbarkeit alles Seienden: also heisse _ich_ euren Willen! ¶1302
- Alles Seiende wollt ihr erst denkbar _machen_: denn ihr zweifelt mit gutem Misstrauen, ob es schon denkbar ist. ¶1303
- Mit hundertfachem Spiegel fieng ich noch seinen Blick auf, wenn ihm der Mund geschlossen war: dass sein Auge mir rede. Und sein Auge redete mir. ¶1313
- Und diess ist das Zweite: Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann. So ist es des Lebendigen Art. ¶1315
- Ein Versuch und Wagniss erschien mir in allem Befehlen; und stets, wenn es befiehlt, wagt das Lebendige sich selber dran. ¶1317
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0