Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · Licence: Gemeinfrei · Source
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- Ich muss, gleich dir, _untergehen_, wie die Menschen es nennen, zu denen ich hinab will. ¶17
- Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra will wieder Mensch werden." ¶20
- - Also begann Zarathustra's Untergang. ¶21
- Verwandelt ist Zarathustra, zum Kind ward Zarathustra, ein Erwachter ist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden? ¶26
- Wie im Meere lebtest du in der Einsamkeit, und das Meer trug dich. Wehe, du willst an's Land steigen? Wehe, du willst deinen Leib wieder selber schleppen? ¶27
- Zarathustra antwortete: "Ich liebe die Menschen." ¶28
- Zarathustra antwortete: "Was sprach ich von Liebe! Ich bringe den Menschen ein Geschenk." ¶31
- Gieb ihnen Nichts, sagte der Heilige. Nimm ihnen lieber Etwas ab und trage es mit ihnen - das wird ihnen am wohlsten thun: wenn er dir nur wohlthut! ¶32
- Und willst du ihnen geben, so gieb nicht mehr, als ein Almosen, und lass sie noch darum betteln! ¶33
- "Nein, antwortete Zarathustra, ich gebe kein Almosen. Dazu bin ich nicht arm genug." ¶34
- "Und was macht der Heilige im Walde?" fragte Zarathustra. ¶38
- Der Heilige antwortete: Ich mache Lieder und singe sie, und wenn ich Lieder mache, lache, weine und brumme ich: also lobe ich Gott. ¶39
- Mit Singen, Weinen, Lachen und Brummen lobe ich den Gott, der mein Gott ist. Doch was bringst du uns zum Geschenke? ¶40
- Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe. ¶48
- Wer aber der Weiseste von euch ist, der ist auch nur ein Zwiespalt und Zwitter von Pflanze und von Gespenst. Aber heisse ich euch zu Gespenstern oder Pflanzen werden? ¶49
- Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meinem Mitleiden! Ist nicht Mitleid das Kreuz, an das Der genagelt wird, der die Menschen liebt? Aber mein Mitleiden ist keine Kreuzigung." ¶65
- Zarathustra aber sahe das Volk an und wunderte sich. Dann sprach er also: ¶72
- Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer. ¶77
- Ich liebe Den, welcher seine Tugend liebt: denn Tugend ist Wille zum Untergang und ein Pfeil der Sehnsucht. ¶81
- Ich liebe Den, der freien Geistes und freien Herzes ist: so ist sein Kopf nur das Eingeweide seines Herzens, sein Herz aber treibt ihn zum Untergang. ¶92
- Sie haben etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie's, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten. ¶98
- Und also sprach Zarathustra zum Volke: ¶101
- Seht! Ich zeige euch _den_letzten_Menschen_. ¶107
- Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt dass die Unterhaltung nicht angreife. ¶114
- Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich. ¶115
- "Ehemals war alle Welt irre" - sagen die Feinsten und blinzeln. ¶117
- Und nun blicken sie mich an und lachen: und indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in ihrem Lachen. ¶125
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