Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · רישיון: Gemeinfrei · מקור
- Alles aber kauen und verdauen - das ist eine rechte Schweine-Art! Immer I-a sagen - das lernte allein der Esel, und wer seines Geistes ist! - ¶2289
- In Mumien verliebt die Einen, die Andern in Gespenster; und Beide gleich feind allem Fleisch und Blute - oh wie gehen Beide mir wider den Geschmack! Denn ich liebe Blut. ¶2291
- Widriger aber sind mir noch alle Speichellecker; und das widrigste Thier von Mensch, das ich fand, das taufte ich Schmarotzer: das wollte nicht lieben und doch von Liebe leben. ¶2293
- Wahrlich, ich lernte das Warten auch und von Grund aus, ¶2296
- Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will, der muss erst stehn und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen: - man erfliegt das Fliegen nicht! ¶2298
- Und ungern nur fragte ich stets nach Wegen, - das gieng mir immer wider den Geschmack! Lieber fragte und versuchte ich die Wege selber. ¶2302
- Ein Versuchen und Fragen war all mein Gehen: - und wahrlich, auch antworten muss man _lernen_ auf solches Fragen! Das aber - ist mein Geschmack: ¶2303
- - kein guter, kein schlechter, aber _mein_ Geschmack, dessen ich weder Scham noch Hehl mehr habe. ¶2304
- Hier sitze ich und warte, alte zerbrochene Tafeln um mich und auch neue halb beschriebene Tafeln. Wann kommt meine Stunde? ¶2309
- - die Stunde meines Niederganges, Unterganges: denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen gehn. ¶2310
- Denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen: _unter_ ihnen will ich untergehen, sterbend will ich ihnen meine reichste Gabe geben! ¶2341
- Der Sonne gleich will auch Zarathustra untergehn: nun sitzt er hier und wartet, alte zerbrochne Tafeln um sich und auch neue Tafeln, - halbbeschriebene. ¶2344
- Was du thust, das kann dir Keiner wieder thun. Siehe, es giebt keine Vergeltung. ¶2350
- Wer sich nicht befehlen kann, der soll gehorchen. Und Mancher _kann_ sich befehlen, aber da fehlt noch Viel, dass er sich auch gehorche! ¶2351
- Also will es die Art edler Seelen: sie wollen Nichts _umsonst_ haben, am wenigsten das Leben. ¶2353
- Und wahrlich, diess ist eine vornehme Rede, welche spricht: "was _uns_ das Leben verspricht, das wollen _wir_ - dem Leben halten!" ¶2355
- Man soll nicht geniessen wollen, wo man nicht zu geniessen giebt. Und - man soll nicht geniessen _wollen_! ¶2356
- "Im Grund steht Alles still" -: _dagegen_ aber predigt der Thauwind! ¶2377
- Einst glaubte man an Wahrsager und Sterndeuter: und darum glaubte man "Alles ist Schicksal: du sollst, denn du musst!" ¶2383
- Dann wieder misstraute man allen Wahrsagern und Sterndeutern: und _darum_ glaubte man "Alles ist Freiheit: du kannst, denn du willst!" ¶2384
- Ist in allem Leben selber nicht - Rauben und Todtschlagen? Und dass solche Worte heilig hiessen, wurde damit die _Wahrheit_ selber nicht - todtgeschlagen? ¶2389
- Diess ist mein Mitleid mit allem Vergangenen, dass ich sehe: es ist preisgegeben, - ¶2392
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0