Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · Άδεια: Gemeinfrei · Πηγή
- Eurer Kinder Land sollt ihr lieben: diese Liebe sei euer neuer Adel, - das unentdeckte, im feinsten Meere! Nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen! ¶2409
- "Wozu leben? Alles ist eitel! Leben - das ist Stroh dreschen; Leben - das ist sich verbrennen und doch nicht warm werden." - ¶2412
- "Dem Reinen ist Alles rein" - so spricht das Volk. Ich aber sage euch: den Schweinen wird Alles Schwein! ¶2419
- _Denen_ sage ich in's Gesicht, ob es gleich nicht lieblich klingt: die Welt gleicht darin dem Menschen, dass sie einen Hintern hat, - _so_Viel_ ist wahr! ¶2422
- Es giebt in der Welt viel Koth: _so_Viel_ ist wahr! Aber darum ist die Welt selber noch kein kothiges Ungeheuer! ¶2423
- "Lass doch die Welt der Welt sein! Hebe dawider auch nicht Einen Finger auf!" ¶2429
- _Denen_ klingt es lieblich zu Ohren, dass gepredigt wird: "Es verlohnt sich Nichts! Ihr sollt nicht wollen!" Diess aber ist eine Predigt zur Knechtschaft. ¶2442
- Wollen befreit: denn Wollen ist Schaffen: so lehre ich. Und _nur_ zum Schaffen sollt ihr lernen! ¶2445
- An Unheilbaren soll man nicht Arzt sein wollen: also lehrt es Zarathustra: - so sollt ihr dahinfahren! ¶2456
- Wo der Starke schwach, der Edle allzumild ist, - dahinein baut er sein ekles Nest: der Schmarotzer wohnt, wo der Grosse kleine wunde Winkel hat. ¶2473
- - die seiende Seele, welche in's Werden taucht; die habende, welche in's Wollen und Verlangen _will_: - ¶2477
- Kennt ihr die Wollust, die Steine in steile Tiefen rollt? - Diese Menschen von heute: seht sie doch, wie sie in meine Tiefen rollen! ¶2483
- Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir - schneller fallen! - ¶2485
- Ich liebe die Tapferen: aber es ist nicht genug, Hau-Degen sein, - man muss auch wissen Hau-schau-_Wen_! ¶2487
- Allen Thieren hat der Mensch schon ihre Tugenden abgeraubt: das macht, von allen Thieren hat es der Mensch am schwersten gehabt. ¶2503
- Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes _Schliessen_ sei! Ihr schlosset zu schnell: so _folgt_ daraus - Ehebrechen! ¶2509
- Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: "wir lieben uns: lasst uns _zusehn_, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser Versprechen ein Versehen sein?" ¶2512
- - "Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur grossen Ehe taugen! Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!" ¶2513
- Wer befehlen kann, wer gehorchen muss - Das wird da versucht! Ach, mit welch langem Suchen und Rathen und Missrathen und Lernen und Neu-Versuchen! ¶2522
- Die Menschen-Gesellschaft: die ist ein Versuch, so lehre ich's, - ein langes Suchen: sie sucht aber den Befehlenden! - ¶2523
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0