Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · Лицензия: Gemeinfrei · Источник
- Der Zweite aber, der ihr Land entdeckte, Land, Herz und Erdreich der Guten und Gerechten: das war, der da fragte: "wen hassen sie am meisten?" ¶2534
- Den _Schaffenden_ hassen sie am meisten: den, der Tafeln bricht und alte Werthe, den Brecher - den heissen sie Verbrecher. ¶2535
- - sie kreuzigen Den, der neue Werthe auf neue Tafeln schreibt, sie opfern _sich_ die Zukunft, - sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft! ¶2537
- Die Guten - die waren immer der Anfang vom Ende. - ¶2538
- Ihr flieht von mir? Ihr seid erschreckt? Ihr zittert vor diesem Worte? ¶2544
- Und nun erst kommt ihm der grosse Schrecken, das grosse Um-sich-sehn, die grosse Krankheit, der grosse Ekel, die grosse See-Krankheit. ¶2546
- Aber wer das Land "Mensch" entdeckte, entdeckte auch das Land "Menschen-Zukunft". Nun sollt ihr mir Seefahrer sein, wackere, geduldsame! ¶2548
- Warum so weich, so weichend und nachgebend? Warum ist so viel Leugnung, Verleugnung in eurem Herzen? So wenig Schicksal in eurem Blicke? ¶2555
- Oh du mein Wille! Du Wende aller Noth du _meine_ Nothwendigkeit! Bewahre mich vor allen kleinen Siegen! ¶2562
- - eine Sonne selber und ein unerbittlicher Sonnen-Wille, zum Vernichten bereit im Siegen! ¶2569
- Oh Wille, Wende aller Noth, du _meine_ Nothwendigkeit! Spare mich auf zu Einem grossen Siege! - - ¶2570
- Heil mir! Heran! Gieb die Hand - - ha! lass! Haha! - - Ekel, Ekel, Ekel - - - wehe mir! ¶2582
- Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustra auf seinem Lager auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand, roch daran und fand seinen Geruch lieblich. Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen, mit ihm zu reden. ¶2585
- - "ach, der Mensch kehrt ewig wieder! Der kleine Mensch kehrt ewig wieder!" - ¶2619
- Ach, Ekel! Ekel! Ekel! - - Also sprach Zarathustra und seufzte und schauderte; denn er erinnerte sich seiner Krankheit. Da liessen ihn aber seine Thiere nicht weiter reden. ¶2622
- "Sprich nicht weiter, du Genesender! - so antworteten ihm seine Thiere, sondern geh hinaus, wo die Welt auf dich wartet gleich einem Garten. ¶2623
- - "Sprich nicht weiter, antworteten ihm abermals seine Thiere; lieber noch, du Genesender, mache dir erst eine Leier zurecht, eine neue Leier! ¶2628
- Denn siehe doch, oh Zarathustra! Zu deinen neuen Liedern bedarf es neuer Leiern. ¶2629
- Denn deine Thiere wissen es wohl, oh Zarathustra, wer du bist und werden musst: siehe, du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft -, das ist nun _dein_ Schicksal! ¶2631
- Siehe, wir wissen, was du lehrst: dass alle Dinge ewig wiederkehren und wir selber mit, und dass wir schon ewige Male dagewesen sind, und alle Dinge mit uns. ¶2633
- Du lehrst, dass es ein grosses Jahr des Werdens giebt, ein Ungeheuer von grossem Jahre: das muss sich, einer Sanduhr gleich, immer wieder von Neuem umdrehn, damit es von Neuem ablaufe und auslaufe: - ¶2634
- Die Stunde kam nun, dass der Untergehende sich selber segnet. Also _endet_ Zarathustra's Untergang.`" - - ¶2644
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0