Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · License: Gemeinfrei · Source
- Oh meine Seele, ich lehrte dich das Verachten, das nicht wie ein Wurmfrass kommt, das grosse, das liebende Verachten, welches am meisten liebt, wo es am meisten verachtet. ¶2653
- Oh meine Seele, ich nahm von dir alles Gehorchen Kniebeugen und Herr-Sagen; ich gab dir selber den Namen "Wende der Noth" und "Schicksal". ¶2655
- Oh meine Seele, deinem Erdreich gab ich alle Weisheit zu trinken, alle neuen Weine und auch alle unvordenklich alten starken Weine der Weisheit. ¶2657
- Oh meine Seele, jede Sonne goss ich auf dich und jede Nacht und jedes Schweigen und jede Sehnsucht: - da wuchsest du mir auf wie ein Weinstock. ¶2658
- - hat der Geber nicht zu danken, dass der Nehmende nahm? Ist Schenken nicht eine Nothdurft? Ist Nehmen nicht - Erbarmen?" - ¶2663
- - singen, mit brausendem Gesange, bis alle Meere still werden, dass sie deiner Sehnsucht zuhorchen, - ¶2671
- Dass ich dich singen hiess, sprich nun, sprich: _wer_ von uns hat jetzt - zu danken? - Besser aber noch: singe mir, singe, oh meine Seele! Und mich lass danken! - ¶2678
- Von dir weg sprang ich und von deinen Schlangen: da standst du schon, halbgewandt, das Auge voll Verlangen. ¶2688
- Ich tanze dir nach, ich folge dir auch auf geringer Spur. Wo bist du? Gieb mir die Hand! Oder einen Finger nur! ¶2694
- Nach dem Takt meiner Peitsche sollst du mir tanzen und schrein! Ich vergass doch die Peitsche nicht? - Nein!" - ¶2706
- Da antwortete mir das Leben also und hielt sich dabei die zierlichen Ohren zu: ¶2708
- Und lieben wir uns auch nicht von Grund aus -, muss man sich denn gram sein, wenn man sich nicht von Grund aus liebt? ¶2711
- Wenn dir deine Weisheit einmal davonliefe, ach! da liefe dir schnell auch meine Liebe noch davon." - ¶2713
- Darauf blickte das Leben nachdenklich hinter sich und um sich und sagte leise: "Oh Zarathustra, du bist mir nicht treu genug! ¶2714
- Du liebst mich lange nicht so sehr wie du redest; ich weiss, du denkst daran, dass du mich bald verlassen willst. ¶2715
- - du denkst daran, oh Zarathustra, ich weiss es, dass du mich bald verlassen willst!" - ¶2718
- Du _weisst_ Das, oh Zarathustra? Das weiss Niemand. - - ¶2720
- Wenn ich ein Wahrsager bin und voll jenes wahrsagerischen Geistes, der auf hohem Joche zwischen zwei Meeren wandelt, - ¶2728
- Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2733
- Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2734
- Wenn mein Hohn je vermoderte Worte zerblies, und ich wie ein Besen kam den Kreuzspinnen und als Fegewind alten verdumpften Grabkammern: ¶2737
- Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2741
- Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2742
- Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2749
- Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2750
- Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2757
- Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2758
- Wenn ich dem Meere hold bin und Allem, was Meeres-Art ist, und am holdesten noch, wenn es mir zornig widerspricht: ¶2760
- Wenn jene suchende Lust in mir ist, die nach Unentdecktem die Segel treibt, wenn eine Seefahrer-Lust in meiner Lust ist: ¶2761
- Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2765
- Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2766
- Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2773
- Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit! ¶2774
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0