Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · רישיון: Gemeinfrei · מקור
- Siehe, doch, was blieb dir aufgespart? Du hast Augen und Hand und Mund, die sind zum Segnen vorher bestimmt seit Ewigkeit. Man segnet nicht mit der Hand allein. ¶3022
- Also sprach Zarathustra und wollte davon; aber der Unaussprechliche fasste nach einem Zipfel seines Gewandes und begann von Neuem zu gurgeln und nach Worten zu suchen. "Bleib!" sagte er endlich - ¶3042
- War nicht aller Erfolg bisher bei den Gut-Verfolgten? Und wer gut verfolgt, lernt leicht _folgen_: - ist er doch einmal - hinterher! Aber ihr _Mitleid_ ist's - ¶3047
- - sei es eines Gottes, sei es der Menschen Mitleiden: Mitleiden geht gegen die Scham. Und nicht-helfen-wollen kann vornehmer sein als jene Tugend, die zuspringt. ¶3056
- Zu lange hat man ihnen Recht gegeben, diesen kleinen Leuten: _so_ gab man ihnen endlich auch die Macht - nun lehren sie: `gut ist nur, was kleine Leute gut heissen.` ¶3060
- Dieser Unbescheidne macht nun lange schon den kleinen Leuten den Kamm hoch schwellen - er, der keinen kleinen Irrthum lehrte, als er lehrte `ich - bin die Wahrheit.` ¶3062
- Du warntest vor seinem Irrthum, du warntest als der Erste vor dem Mitleiden - nicht Alle, nicht Keinen, sondern dich und deine Art. ¶3064
- Du selber aber - warne dich selber auch vor _deinem_ Mitleiden! Denn Viele sind zu dir unterwegs, viele Leidende, Zweifelnde, Verzweifelnde, Ertrinkende, Frierende - ¶3067
- Er sah immer _mich_: an einem solchen Zeugen wollte ich Rache haben - oder selber nicht leben. ¶3071
- Also sprach Zarathustra und gieng seiner Wege, nachdenklicher und langsamer noch als zuvor: denn er fragte sich Vieles und wusste sich nicht leicht zu antworten. ¶3078
- Man sagt mir, dass der Mensch sich selber liebe: ach, wie gross muss diese Selber-Liebe sein! Wie viel Verachtung hat sie wider sich! ¶3080
- "- Wohlan! sagte Zarathustra: du solltest auch _meine_ Thiere sehn, meinen Adler und meine Schlange, - ihres Gleichen giebt es heute nicht auf Erden. ¶3119
- - bis ich selber heimkomme. Denn jetzt ruft ein Nothschrei Mich eilig weg von dir. Auch findest du neuen Honig bei mir, eisfrischen Waben-Goldhonig: den iss! ¶3121
- "- Einen ausgenommen, den ich noch lieber habe, antwortete der freiwillige Bettler. Du selber bist gut und besser noch als eine Kuh, oh Zarathustra!" ¶3123
- "Fort, fort mit dir! du arger Schmeichler! schrie Zarathustra mit Bosheit, was verdirbst du mich mit solchem Lob und Schmeichel-Honig?" ¶3124
- Es wird mir wahrlich zu viel; diess Gebirge wimmelt, mein Reich ist nicht mehr von _dieser_ Welt, ich brauche neue Berge. ¶3128
- Mein Schatten ruft mich? Was liegt an meinem Schatten! Mag er mir nachlaufen! ich - laufe ihm davon." - ¶3129
- "Vergieb mir, antwortete der Schatten, dass ich's bin; und wenn ich dir nicht gefalle, wohlan, oh Zarathustra! darin lobe ich dich und deinen guten Geschmack. ¶3136
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0