Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche
SAPIR 861
Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche · Άδεια: Gemeinfrei · Πηγή
- Ein Wanderer bin ich, der viel schon hinter deinen Fersen her gieng: immer unterwegs, aber ohne Ziel, auch ohne Heim: also dass mir wahrlich wenig zum ewigen Juden fehlt, es sei denn, dass ich nicht ewig, und auch nicht Jude bin. ¶3137
- Mit dir strebte ich in jedes Verbotene, Schlimmste, Fernste: und wenn irgend Etwas an mir Tugend ist, so ist es, dass ich vor keinem Verbote Furcht hatte. ¶3142
- `Leben, wie ich Lust habe, oder gar nicht leben`: so will ich's, so will's auch der Heiligste. Aber, wehe! wie habe _ich_ noch - Lust? ¶3149
- Diess Suchen nach _meinem_ Heim: oh Zarathustra, weisst du wohl, diess Suchen war _meine_ Heimsuchung, es frisst mich auf. ¶3153
- Deine Gefahr ist keine kleine, du freier Geist und Wanderer! Du hast einen schlimmen Tag gehabt: sieh zu, dass dir nicht noch ein schlimmerer Abend kommt! ¶3156
- Du hast das Ziel verloren: wehe, wie wirst du diesen Verlust verscherzen und verschmerzen? Damit - hast du auch den Weg verloren! ¶3159
- Ich will allein laufen, dass es wieder hell um mich werde. Dazu muss ich noch lange lustig auf den Beinen sein. Des Abends aber wird bei mir - getanzt!" - - ¶3162
- Still! Still! Ward die Welt nicht eben vollkommen? Was geschieht mir doch? ¶3167
- - Was geschah mir: Horch! Flog die Zeit wohl davon? Falle ich nicht? Fiel ich nicht - horch! in den Brunnen der Ewigkeit? ¶3182
- - Wie? Ward die Welt nicht eben vollkommen? Rund und reif? Oh des goldenen runden Reifs - wohin fliegt er wohl? Laufe ich ihm nach! Husch! ¶3184
- Nun schlieft ihr euch aus, wie lange doch? Eine halbe Ewigkeit! Wohlan, wohlauf nun, mein altes Herz! Wie lange erst darfst du nach solchem Schlaf - dich auswachen? ¶3187
- (Aber da schlief er schon von Neuem ein, und seine Seele sprach gegen ihn und wehrte sich und legte sich wieder hin) - "Lass mich doch! Still! Ward nicht die Welt eben vollkommen? Oh des goldnen runden Balls!" - ¶3188
- Wer bist du doch! Oh meine Seele!" (und hier erschrak er, denn ein Sonnenstrahl fiel vom Himmel herunter auf sein Gesicht) ¶3190
- Wann trinkst du diesen Tropfen Thau's, der auf alle Erden-Dinge niederfiel, - wann trinkst du diese wunderliche Seele - ¶3192
- Das Zweite aber ist: mein kleiner Finger. Und habt ihr _den_ erst, so nehmt nur noch die ganze Hand, wohlan! und das Herz dazu! Willkommen hier, willkommen, meine Gastfreunde!" ¶3208
- "Daran, oh Zarathustra, wie du uns Hand und Gruss botest, erkennen wir dich als Zarathustra. Du erniedrigtest dich vor uns; fast thatest du unserer Ehrfurcht wehe -: ¶3210
- - wer aber vermochte gleich dir sich mit solchem Stolze zu erniedrigen? _Das_ richtet uns selber auf, ein Labsal ist es unsern Augen und Herzen. ¶3211
- Und wahrlich, zu deinem Berge und Baume richten sich heute viele Augen; eine grosse Sehnsucht hat sich aufgemacht, und Manche lernten fragen: wer ist Zarathustra? ¶3219
- - Alle, die nicht leben wollen, oder sie lernen wieder _hoffen_ - oder sie lernen von dir, oh Zarathustra, die _grosse_ Hoffnung!" ¶3227
- Aber er meint `deutsch und derb` - wohlan! Das ist heutzutage noch nicht der schlimmste Geschmack!") ¶3231
- - Nein! Nein! Drei Mal Nein! Auf _Andere_ warte ich hier in diesen Bergen und will meinen Fuss nicht ohne sie von dannen heben, ¶3244
- Diess Gastgeschenk erbitte ich mir von eurer Liebe, dass ihr mir von meinen Kindern sprecht. Hierzu bin ich reich, hierzu ward ich arm: was gab ich nicht hin, ¶3248
- Eins ist nothwendiger als das Andre, so redest du selber: wohlan, Eins ist _mir_ jetzt nothwendiger als alles Andere. ¶3253
- Ein Wort zur rechten Zeit: hast du mich nicht zum _Mahle_ eingeladen? Und hier sind viele, die lange Wege machten. Du willst uns doch nicht mit Reden abspeisen? ¶3254
Open Scriptures Hebrew Bible (WLC), CC BY 4.0